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Freitag, 13. Oktober 2006
[Aleya] Die Magie der Worte
noobstar, 21:25h
Mit rotem Kopf stürmte Farid in den Keller hinunter. Er wollte fort von den Menschen dort oben, vor allem aber wollte er fort von Roxane. Dabei war es heute gar nicht mal so schlimm gewesen, nur die inzwischen gewohnten Bemerkungen, dass er, Farid, anstelle von Staubfinger tot sein sollte.
Warum also gingen ihm ihre Worte bis unter die Haut, warum konnte er sie nicht einfach ignorieren? Er wusste es. Weil der Käsekopf ihr so begeistert zugestimmt hatte, weil er ihre Beleidigungen wiederholt hatte, laut genug für das gesamte Lager. Und das, obwohl Farid seit mehr als zwei Wochen geduldig seinen Diener spielte, obwohl der Käsekopf noch nicht ein Wort zur Rückkehr Staubfingers geschrieben hatte. Farid war sich sicher, dass der dicke Mann seine Vorliebe für die Figur Staubfinger ein wenig verloren hatte, als er Roxane sah. Denn genau wie Fenoglio, der Tintenweber, war Orpheus, der Käsekopf, der Meinung, dass sie für Staubfinger viel zu gut war. Und der Schwarze Prinz war nicht da gewesen, um dem Käsekopf Einhalt zu gebieten. Also war Farid nach einer Weile geflüchtet, hinunter in den Keller eines zerstörten Hauses. Nur Meggie und er kannten dieses kleine Versteck. Alle Dorfbewohner kannten die zerfallene Hütte, aber niemand ging freiwillig in ihre Nähe. Zu sehr fürchteten die Dörfler diesen Ort und glücklicherweise hatten sich die Spielleute vom Aberglauben der Menschen dieses Ortes anstecken lassen. Vor vielen Jahren hatte hier eine einsame alte Frau gelebt, allein mit drei Katzen. Die Dorfbewohner hatten sie erst zur Kenntnis genommen, als die Weißen Frauen vor der Tür standen und die alte Frau einen Tag später gestorben war. Seitdem ging das Gerücht um, dass seltsame Dinge geschahen, wann immer ein Mensch sich der Hütte näherte. Farid wusste nicht, ob dies der Wahrheit entsprach, aber zumindest waren Meggie und er hier ungestört. Oft saß Meggie in einer Ecke des Kellers und versuchte an Käsekopfs Stelle die richtigen Worte für Staubfinger zu finden. Doch sie war anders als der Käsekopf oder auch der Tintenweber. Sie konnte keine eigenen Geschichten knüpfen, konnte ihnen lediglich Leben einhauchen. Oft saß sie bis spät in die Nacht bei Kerzenschein und schrieb Zettel um Zettel voll, bis sie schließlich irgendwann einschlief. Auch heute sah er sie zusammengerollt in einer Ecke liegen, das erschöpfte Gesicht nur von Kerzenlicht erhellt. Meggies Gesicht war staubbedeckt, die fast einheitlich graubraune Färbung wurde lediglich durch zwei hellere Streifen unter ihren Augen unterbrochen. Die Spuren der Wuttränen, wenn sie wieder stundenlang versucht hatte, die richtigen Worte zu finden. Die Spielleute an der Oberfläche, selbst Meggies Eltern, die noch immer in der Burg des Natternkopfes gefangen waren, ahnten nicht, was sie hier unten taten. Sie waren zufrieden, wenn sowohl Farid als auch Meggie sich einmal am Tag blicken ließen und Farid nichts tat, was den Käsekopf verärgern könnte. Zu sehr waren sie mit sich selbst und der großen Aufgabe, den Natternkopf zu besiegen, beschäftigt. Farid verzieh ihnen ihre Blindheit, immerhin war der Kampf gegen einen Unsterblichen wirklich schwierig. Und außerdem konnte er so mehr Zeit mit Meggie verbringen, ohne sich anzügliche Kommentare anhören zu müssen. Seine Wut über Roxane war inzwischen verraucht, hier unten verkam sie zur Bedeutungslosigkeit. Vorsichtig, bemüht kein Geräusch zu machen, zündete Farid zwei weitere Kerzen zu den bereits flackernden an. Es wurde nicht heller in dem kleinen Keller, aber gemütlicher. Anscheinend hatte er doch ein Geräusch verursacht. Meggie schnaufte leise und schlug die Augen auf. Verwirrt sah sie sich um, bis sie Farid erkannte. Sofort breitete sich ein Strahlen auf ihrem Gesicht aus, welches sie in Farids Augen einfach hinreißend aussehen ließ. "Hast du wieder zu schreiben versucht?", fragte Farid mit hochgezogener Augenbraue, sein Blick wanderte über die zahllosen Papierstücke, alle eng mit durchgestrichenen Vogelspuren - wie er die Buchstaben bei sich nannte - bedeckt. Meggie errötete, ihr Blick wanderte ebenfalls über die Zettel. Dann lächelte sie leicht und nickte. "Ich habe es nicht einmal geschafft, so etwas Simples wie ein Häufchen Sand aus meinem Selbstgeschriebenen herauszulesen." Sie klang frustriert und enttäuscht. Farid wusste, dass Staubfinger ihr nicht so viel bedeutet hatte wie ihm, daher war er ihr umso mehr dankbar für ihre zahllosen Versuche. "Wie hast du ihn denn beschrieben?", fragte er leise. Heiß glühte die Sonne auf das weite Sandmeer nieder. Die Luft flimmerte vor Hitze, die kleinen Sandkörner schienen regelrecht zusammenzukleben. Farid lachte leise. "Das ist kein Sand." Leise flüsternd beschrieb er ihr die weiten Sandmeere seiner ehemaligen Geschichte, beschrieb ihr die endlosen Dünen, das Gefühl der unendlichen Freiheit. Er beschrieb ihr aber auch die Gefährlichkeit des Sandes, seine Gier nach unvorsichtigen Wanderern, die sich dem Sand der Wüste überlegen fühlten. Er glaubte die unglaubliche Hitze erneut zu fühlen, den charakteristischen Geruch eines sich anbahnenden Sandsturmes in der Nase zu haben. Er verlor sich vollkommen in seiner Erzählung. Als er irgendwann endete und in die Wirklichkeit zurückkehrte, sah er Meggies verblüfftes Gesicht. "Du bist wie Tintenweber!", rief sie aus. "Es war wie bei ihm, ich konnte den Sand fühlen, sehen, riechen. Wir brauchen den Käsekopf gar nicht mehr, du kannst die richtigen Worte finden. Du bist auch ein Wortmaler." Sie lachte erfreut und klatschte in die Hände. Auch Farid strahlte, bot sich doch die Möglichkeit, Staubfinger leben zu lassen. Er würde kein Sklave eines alten fetten Mannes mehr sein, er könnte wieder mit dem Feuerspucker durch die Landschaft ziehen und von ihm lernen. "Lass es uns testen, erzähl mir noch einmal vom Sand, ich werde die Worte schreiben und dann vorlesen.", forderte sie Farid auf. Er nickte. Es war eine gute Idee, ein wenig Sand würde nicht auffallen und auch nicht allzu viel verschwinden lassen. Also begann er erneut zu erzählen, dieses Mal langsamer, damit Meggie mitschreiben konnte. Und wieder hatte er das Gefühl, in seine ursprüngliche Geschichte zurückgekehrt zu sein, fast meinte er das raue Lachen der Räuber zu hören, die ihn als Sklaven gehalten hatten. An dieser Stelle brach Farid ab. Er wollte nicht riskieren, dass diese ebenfalls einen Weg aus seiner Geschichte fanden. Meggie sah ihn ob dieses plötzlichen Endes erstaunt an, stellte jedoch keine Fragen, wie Farid dankbar bemerkte. Stattdessen begann sie leise mit ihrer wunderbaren Stimme zu lesen, ließ den Sand ebenfalls neu erstehen. Schon bald türmten sich Miniaturdünen in dem kleinen Keller, ein winziger Sandsturm wütete in einer Ecke. "Du hast es geschafft! Meggie, du bist wundervoll!", rief Farid begeistert aus und umarmte Meggie glücklich. Ihr Gesicht strahlte im Licht der Kerzen und Farid bemerkte erneut, wie hübsch sie war. Der Sandsturm wirbelte ungerührt vor sich hin, bis er schließlich in sich zusammenfiel. "Dann lass uns Staubfinger zurückschreiben! Du musst nur die richtigen Worte finden.", meinte Meggie schließlich. "Wir dürfen nur die Weißen Frauen nicht verärgern, sonst holen sie ihn sich bei der nächstbesten Gelegenheit erneut.", warnte sie leise, da Farid bereits den Mund zum Erzählen geöffnet hatte. Jetzt schloss er ihn wieder. Meggie hatte recht. Sie mussten die Regeln der Tintenwelt beachten, sowenig es ihnen auch gefiel. Und in diesen Regeln war es nun mal nicht vorgesehen, dass tote Leute einfach wiederkamen - es sei denn, sie überlisteten die Regeln, so wie Staubfinger es getan hatte. Die Weißen Frauen. Sie hatten sich einmal eine Seele abhandeln lassen, aber ob sie es ein zweites Mal tun würden? Farid schüttelte den Kopf. Sie mussten es einfach tun. Plötzlich hatte er eine vage Idee. "Warum ließen die Weißen Frauen mich gehen? Es hatte etwas mit Feuer zu tun, aber niemand hat mir jemals die ganze Legende erzählt." Meggie sah ihn stirnrunzelnd an. "Es war eine Legende über einen Spielmann, der wie Staubfinger ein Feuerspucker gewesen war und sehr unter dem Tod einer geliebten Person litt. Er wusste, die Weißen Frauen lieben und fürchten nichts so sehr wie das Feuer. Die Weißen Frauen nahmen sein Versprechen, sie ewig mit Feuerzaubern zu belustigen im Ausgleich dafür, dass sie den Tod der Person rückgängig machten, an. Ich weiß nicht mehr den genauen Wortlaut, aber es hatte mit der Vorliebe der Weißen Frauen für Feuer zu tun." "Und Staubfinger versprach ihnen, für sie mit dem Feuer zu sprechen, wenn sie mich gehen ließen?", hakte Farid aufgeregt nach. Die Idee nahm schärfere Konturen an. "Ja, muss er wohl. Du warst tot und alle waren furchtbar unglücklich und haben nur geweint und...", Meggie brach ab. Innerlich verfluchte sich Farid, dass er sie so quälte, aber er musste es wissen. "Und dann?", fragte er sanft. "Bist du am nächsten Morgen wiedergekommen und Staubfinger war tot.", flüsterte Meggie. "Roxane hat dann von der Legende des Spielmannes erzählt. Warum fragst du?" Sie sah ihn verwundert an. "Weil ich weiß, wie wir Staubfinger zurückholen können, ohne Schaden anzurichten.", aufgeregt hin und her laufend fing er gestikulierend an zu erzählen. "Wie du weißt, habe ich immer Streichhölzer dabei." Meggies Augen wurden riesig. Farid freute sich, dass sie zu verstehen schien. "Und du meinst, wenn wir den Weißen Frauen im Tausch für Staubfinger das auch für sie harmlose Feuer bieten, lassen sie ihn gehen?" "Sie müssen, verstehst du? Durch die Legende wissen wir, dass sie für Feuer selbst Tote zurückschicken und wir geben ihnen die Möglichkeit, selbst Feuer zu wirken. Sie MÜSSEN ihn zurückgeben.", sprach Farid voller Überzeugung. "Sonst würden sie der Legende widersprechen und damit die Regeln der Tintenwelt brechen. Und für sie ist dies noch unmöglicher als für uns." "Weißt du schon die richtigen Worte?", fragte Meggie, Zettel und Stift bereits bereithaltend. Sie hatte sich bequem auf den Boden gesetzt, willens, alles, was nötig war, zu schreiben, damit Staubfinger sie wieder mit seinen Flammenfingern erfreuen konnte. "Ja. Also, die Weißen Frauen schwebten in dem Nichts, welches ihre Heimat war, umgeben von den Flammenspielen des Spielmannes namens Staubfinger... **** Farid erzählte sicher ein halbe Stunde lang mit leiser, träumerischer Stimme. Er ließ vor Meggies Augen die leere, kalte Heimat der Weißen Frauen auferstehen, welche sie mit Feuer zu wärmen gedachten. Mit Staubfingers Feuer. Und wie ihnen Staubfingers Feuer nicht genug Wärme kam, wie sie vom Angebot eines Jungen namens Farid hörten, ihnen das wärmende Feuer zu überlassen, welches sie berühren konnten, ohne Schaden zu nehmen. Und sie folgten dem Angebot. Der Übergang aus ihrer in die Welt der Sterblichen war beschwerlich, doch langsam nahmen sie Kontur an... Während Meggie die letzten Worte las, erkannte Farid im schwachen Licht der flackernden Kerzen die schimmernden Umrisse der Gerufenen. Drei Weiße Frauen standen mit von unsichtbaren Wind geblähten Kleidern vor ihnen, die vollkommen weißen Hände in einer Friedensgeste erhoben. Sprich. Du hast uns gerufen. Sprich. Sag, was du uns zu geben gedenkst. Die hohen, kalten Stimmen ließen eisige Schauer über Farids Rücken laufen, doch der Gedanke an Staubfinger ließ ihn mutiger werden. "Ich habe das Feuer, welches ohne Magie brennt und Euch nicht schadet. Ich bin willens, es Euch zu überlassen." Zeig uns das Feuer, welches ohne Magie brennt. Mit zitternden Fingern riss Farid ein Streichholz an, hielt es vor den Weißen Frauen in die Höhe. Zum Glück hatte Staubfinger damals extralange Zündhölzer besorgt, welche etwa eine halbe Minute brannten. Im Normalfall. Durch die Magie der Tintenwelt erlosch die kleine Flamme erst nach mehr als zehn Minuten. Während dieser ganzen Zeit hatte sich niemand gerührt. Meggie nicht. Die Weißen Frauen schwebten lautlos über dem Boden. Und Farid bewegte sich erst recht nicht. Schließlich war das Streichholz fast vollkommen abgebrannt, als eine der Geisterwesen plötzlich die Hand ausstreckte. Gib mir die Flamme. Farid gehorchte. Er hoffte, dass er sich nicht geirrt hatte und die Flamme wirklich ungefährlich war - besonders weil sie keinerlei Magie enthielt, nur durch die äußere, allgemeingültige Zauberkraft der gesamten Welt beeinflusst war, zu der die Weißen Frauen ja ebenfalls gehörten. Es konnte also gar nichts passieren. Dennoch verblieb ein Rest Unsicherheit in Farid, welcher erst schwand, als die Weiße Frau ohne sich aufzulösen das brennende Hölzchen entgegen nahm und bis zum Erlöschen der Glut in der Hand behielt. Farid atmete auf. Wie lautet dein Wunsch? Sie hatten das Feuer akzeptiert. Sie würden Staubfinger zurückkehren lassen. "Ich wünsche das Leben des Feuerspuckers, der sein Leben für meines gab, im Tausch gegen diese Flammenhölzer.", forderte Farid mit trügerisch sicherer Stimme. Einverstanden. Die Weißen Frauen glitten auf Farid zu, nahmen mit ihren gespenstischen Händen die kleine Packung entgegen und verschwanden. "Was...?", fragte Meggie verwirrt. "Wo ist Staubfinger?" Sie hatte kaum zu Ende gesprochen, als eine große, schlanke Gestalt, gekleidet in die traditionellen Gewänder der Feuerspucker, vor ihr erschien. Lange Haare verdeckten das Gesicht, doch Farid wusste, was sie verdeckten: Ein freundliches, meist in gespieltem Verdruss verzogenes Gesicht mit drei dünnen, wie von einer Feder gezogenen Narben. Staubfinger. "Farid? Meggie? Was macht ihr denn hier?", fragte der Mann mehr als nur verwirrt. "Du bist zurück. Oh Staubfinger, wir haben es wirklich geschafft, du bist wirklich zurück.", wisperte Meggie. Lautlose Tränen liefen ihr über das Gesicht, als sie Staubfinger einfach nur glücklich ansah. Farid brach endlich aus der Erstarrung und umarmte seinen Freund. Er hatte ihn so vermisst. "Habt ihr zwei etwa im Alleingang mit den Weißen Frauen verhandelt?", fragte Staubfinger erstaunt. Meggie nickte ein wenig schuldbewusst, doch ihr Blick ließ nichts als Freude erkennen. "Farid hat einen Weg gefunden, sie zu überzeugen.", meinte sie stolz. Ein warmes Gefühl stieg in Farids Bauch auf, als Staubfinger ihn unverkennbar beeindruckt und stolz ansah. Jetzt würde alles gut werden. Nicht einmal der Natternkopf konnte Farid jetzt noch Angst machen. Staubfinger war zurück. Alles wird gut werden. Alles. Der Text wurde hier gefunden und entnommen http://www.fanfictionland.com/viewchapter.php?type=ff&sid=282&kid=1154 ... comment |
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